SELBSTVERSTÄNDNIS

DIALOG FÖRDERN

 

Im Jahre 2004, in welchem die Europäische Union durch neue Mitgliedsstaaten in Mittel- und Osteuropa bereichert wurde, gründeten elf Landesverbände des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Paritätische Gesamtverband einen Verein zur Förderung von Kooperationen im gesellschafts- und sozialpolitischen Bereich mit Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas. Die Vereinsgründung erfolgte zwecks Weiterentwicklung bereits bestehender Kooperationen Paritätischer Verbände mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa, welche insbesondere innerhalb des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Niedersachsen e. V. durch eine lange Tradition geprägt sind.

 

Im Bewusstsein der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Polen und weiteren Ländern Mittel- und Osteuropas fördert der Verein solidarisches Handeln und Kooperation „auf Augenhöhe“, geprägt von Fairness, Respekt und Wertschätzung. Die Arbeit des Vereins richtet sich nach den Prinzipien der Charta der Grundrechte der Europäischen Union vom 12. Dezember 2007, insbesondere dem Titel III: Gleichheit und dem Titel IV: Solidarität. Die Aktivitäten des Vereins dienen der europäischen Integration und verstehen sich als Beitrag zur praktischen Umsetzung der Inhalte der Europapolitischen Standortbestimmung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom 4. Juni 2009.

 

BÜRGERGESELLSCHAFT STÄRKEN

 

Eine demokratische Gesellschaftsordnung fußt auf der Entstehung bürgergesellschaftlicher Strukturen sowie dem sozialen Fortschritt. Der Verein unterstützt deshalb die Entwicklung einer offenen Gesellschaft, die durch Vielfalt und Toleranz geprägt ist und die Kompetenzen und Leistungsfähigkeit der lokalen Akteure stärkt.

 

SOLIDARISCH HANDELN

 

Die Aktivitäten des Vereins dienen der Förderung eines Sozialstaatsmodells, das die Würde jedes Einzelnen und sein Recht auf Teilhabe am Leben der Gemeinschaft achtet. Der Verein fördert ein Sozialstaatsmodell, in dem der Staat grundsätzlich für die ausreichende soziale Absicherung sowie Befriedigung von Bedürfnissen nach Bildung seiner Bürgerinnen und Bürger verantwortlich ist. Gleichzeitig ist der Staat zur Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips als Grundlage für die Beziehungen zwischen dem Öffentlichen und dem Dritten Sektor verpflichtet. Zu einem solchen Sozialstaatsmodell gehören individuelle einklagbare und durchsetzbare Rechtsansprüche auf gesetzlich definierte Leistungen für jeden Bürger sowie die konsequente Stärkung gemeinnütziger Nichtregierungsorganisationen gegenüber öffentlichen Institutionen, insbesondere auch bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen.

 

EUROPÄISCHE SOZIALPOLITISCHE PERSPEKTIVE 2020 IM KONTEXT DER VEREINSZIELE

 

Die demografische Entwicklung innerhalb der europäischen Gesellschaft bringt die Alterssicherung an ihre Grenzen. In vielen Staaten führen die Lasten aus dem Generationenvertrag zur kontinuierlichen Kürzung der Erwerbsrenten.

 

Zahlreiche westeuropäische Staaten begegnen dem demografisch bedingten Fachkräftemangel indem sie gezielt auf Einwanderung von Fachkräften aus Mittel- und Osteuropa sowie aus nichteuropäischen Ländern setzen. Eine einheitliche europäische Einwanderungspolitik ist jedoch nicht in Sicht.

 

Nach wie vor sind viele Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, ohne dass die Europäische Union einer effektiven Lösung dieses Problems näher gekommen wäre. Die Differenz zwischen Erwerbseinkommen im oberen Drittel und dem Niedriglohnsektor nimmt weiter zu, sodass es zu erheblichen sozialen Spannungen kommt. Viele arbeitsuchende Menschen sind aufgrund individueller Benachteiligungen wie Krankheit und Behinderung dauerhaft arbeitslos.

 

Die Länder Mittel- und Osteuropas haben zwar in Teilen wirtschaftlich zur Entwicklung in Westeuropa aufgeschlossen. Die soziale Lage dort bleibt dennoch instabil und der Abstand zwischen Reich und Arm wächst. Die bedürftigen Menschen werden weder im Bereich finanzieller Leistungen noch im Bereich sozialer Dienstleistungen ausreichend versorgt. Oft findet keine deutliche Festlegung auf ein bestimmtes Sozialstaatsmodell statt. Soziale Nichtregierungsorganisationen werden weder in ihrer zivilgesellschaftlichen Rolle noch als Erbringer sozialer Dienstleistungen in entsprechendem Maße aus öffentlichen Mitteln gefördert.

 

Die Überschuldung insbesondere der kommunalen Haushalte in Deutschland nimmt weiter zu, was zur erheblichen Einschränkung politischer Gestaltungsspielräume führt. Der ursprünglich gesetzliche Vorrang freigemeinnütziger Träger sozialer Leistungen wird ausgehöhlt. Sozialhaushalte geraten unter starken Sparzwang. Dies gefährdet die Existenz kleiner und mittlerer Träger. Als eines der Nebeneffekte dieser Entwicklung kann prognostiziert werden, dass deutsche freigemeinnützige Organisationen tendenziell noch weniger Bereitschaft dazu zeigen werden, internationale Kooperationen einzugehen. Unsere Aktivitäten sollen auch helfen, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken.